
Durch die Fastenzeit 2026 wird uns in Dernau dieses Hungertuch begleiten. (MISEREOR Hungertuch 2023/24).
Hungertücher wurden früher aufgehangen, um das Gold und die Farbe der Altäre in der Fastenzeit vor den Augen zu verbergen. Die Menschen sollten auch mit den Augen fasten.
Auf dieser Seite werden wir in den nächsten Wochen Texte und Gedanken zu diesem Hungertuch publizieren.
Sie können Ihre Gedanken, Ihren Kommentar auf der Seite hinterlassen. Ich freue mich über jede Reaktion.
Das farbenstarke Bild ist von einem afrikanischen Künstler als Collage aus vielen ausgerissenen Zeitungsschnipseln aufgebaut: Nachrichten, Infos, Fakten, Fakes – Schicht um Schicht reißt und klebt der Künstler diese Einzelteile und komponiert aus ihnen etwas Neues.
In den warm-roten Raum greifen vier Arme: Form und Farbe nach deuten sie auf unterschiedliche Menschen – möglicherweise aus anderen Kontexten, ethnischen Zugehörigkeiten, verschiedenen Geschlechtern – hin. Ihre Hände berühren gemeinsam sachte die Erdkugel, lassen ihr aber auch Spielraum. Wahrhaftig eine zerrissene Welt, verwundet und brüchig. Noch gehalten oder schon preisgegeben?
Bewegt sie sich? Wird sie kippen wie unser Klima?

Biblisch gesprochen vertraut Gott uns die Schöpfung an. Sie ist Gabe und Aufgabe. Sie ist Geschenk, in unsere Verantwortung gelegt. Wir selbst sind Teil der Schöpfung, stehen in wechselseitiger Beziehung mit ihr. Als Menschen, als Ebenbilder Gottes, ist es uns aufgetragen für die Bewahrung des Guten Lebens aller Sorge zu tragen. Jetzt könnte man sagen: es geht stets weiter: die Schöpfung ist nicht nach sechs Tagen fertig geschaffen und perfekt für alle Zeiten.
Nichts ist fertig! Im Gegenteil. Ein verantwortlicher Umgang mit der Schöpfung gehört zum Wesenskern unserer christlichen Grundausrichtung. Und so kommen wir als Christinnen und Christen nicht umhin, uns dafür einzusetzen, dass ein respektvolles, wechselseitiges Miteinander der gesamten Schöpfung, Menschen und Natur, möglich ist.
„Das kostet die Welt“ lesen wir auf einem der Schnipsel. Ja, was kostet die Welt? Deshalb fragt Misereor mit diesem Hungertuch: Was ist uns heilig? Was ist uns das Leben wert?
Wenn man genauer hinschaut, dann sind unter den vielen verstörenden Nachrichten in einem Haufen alter Zeitungsschnipsel auch manche, die Mut machen:
Neubeginn
vom Anfang
Frauen Heldin Wissen
wo Menschen sich wohlfühlen,
Der Künstler klebt sie wie bunte, tröstende Pflaster auf die Wunden der Schöpfung.
So lädt uns dieses Hungertuch ein, die Welt nicht aus den Augen zu verlieren. Wir wollen uns in der Fastenzeit immer mal wieder von diesem Hungertuch ansprechen lassen.
Was mit der Erde geschieht, liegt in unseren Händen!

Genauer hinschauen
auf unserem Hungertuch sind einige Zeitungsschnipsel mit Überschriften zu sehen und zu lesen:
Man erkennt vier Hände von zwei Personen. Stellt man sich diese Personen neben dem Bild vor, so erkennt man auch, dass sie nicht nur die anvertraute Schöpfung in ihren Händen halten. Eine Person, die wohl größere der beiden, umfasst dabei auch die kleinere und schwächere und schließt sie in ihren Schutz mit ein. Bewahren wir so also nicht nur die Schöpfung sondern auch die schwächeren unter uns vor den Gefahren, die in der so unsicheren Welt in vielfältiger Art und Weise lauern.
Elias schreibt dazu:
Ich sehe Hände, die eine Weltkugel festhalten, damit sie nicht runter fällt.